Opernball 2016: Schleierkraut rockt Twitter! Was können wir daraus lernen? News und Trends

Der Wiener Opernball 2016

Ein Rückblick aus der Sicht des Schleierkrauts und wie das Gewächs aus seinem eigenen Schatten trat um Twitter zu rocken. Was sagt uns dieses Phänomen im Hinblick auf das Zusammenspiel von Social Media und anderen Medien? Meine Gedanken dazu lesen Sie in diesem Artikel.

Glitzer, Glamour, opulenter Blumenschmuck, große Roben, Logentratsch und natürlich die Promis (von A – Z) – dafür ist der Wiener Opernball berühmt und JA, dafür lieben wir ihn auch! „WIR“, die wir uns alle Jahre wieder das Spektakel im TV ansehen um uns parallel dazu gemeinsam via Twitter oder über andere Social Media-Kanäle auszutauschen. Aber wozu twittern, wenn wir uns die große Show ganz entspannt im Fernsehen ansehen können?

Ganz einfach: Es gibt nun einmal Dinge, die wir sofort bereden müssen.

 

Wie etwa den Siegeszug des Schleierkrauts!

Ja, es ist wahr, dieses unscheinbare Gewächs schaffte es tatsächlich, innerhalb kürzester Zeit, zahlreichen Promis die Show zu stehlen. Zwar zählte der Blumenschmuck beim Ball der Bälle immer schon zu den Einser-Themen in den Medien, kaum aber wurde die Pflanzenkunst von den Kommentatoren so oft „gehuldigt“ wie 2016, natürlich nicht ohne das Ganze mit einer liebevollen Brise Ironie zu würzen. Was hatte dieses Kraut nur, was dem einen oder anderen Gast wohl fehlte, um derlei Aufmerksamkeit im TV zu erlangen und in weiterer Folge permanent auf Twitter gehashtaggt zu werden?

Ich sehe den Grund in der Mischung aus dem faszinierenden Umstand, dass die Oper ausgerechnet mit diesem schlichten Pflanzenwerk geschmückt wurde, anstelle mit opulenten Blumenarrangements wie es die Jahre zuvor üblich war und den damit verbundenen launigen Kommentaren von Karl Hohenlohe und Christoph Wagner-Trenkwitz, die sich wie ein roter Faden durch die TV-Übertragung zogen.

 

So macht man Stars!

Eine Ironie, die in zahlreichen Tweets weitergeführt wurde. Hier zeigt sich wunderbar wie soziale und andere elektronische Medien zusammenspielen können. Was im TV so häufig erwähnt wird wie dieses Schleierkraut, wird zweifelsohne auch auf Twitter & Co zum Thema. Denn während es im Fernsehen vor allem darum geht, das Geschehen vor Ort mehr oder weniger neutral zu kommentieren, übernehmen viele Twitter-User parallel dazu die Rolle der selbsternannten Kritiker. Dazu gehört auch die Bewertung von Moderatoren und Kommentatoren, sowie diverse Zitate aus deren Mündern.

Logische Konsequenz: WER oder WAS oft erwähnt wird, kann es auch im Datenhighway zu ungeahntem Ruhm schaffen. Dann heißt es eben Hashtag #Schleierkraut und nicht Hashtag #ZPromi.

Was sich auf Twitter & Co abspielt ist meist subjektiv und das darf es auch sein, wenn wir nicht gerade im Namen einer offiziellen Stelle oder eines Mediums auftreten, welche einheitliche Linien zu diversen Themen vorgeben. Natürlich müssen wir dabei die Netiquette einhalten, das sind die Benimmregeln innerhalb eines sozialen Netzwerkes.

 

Panik vor gegenseitiger Medien-Kannibalisierung

In manchen großen Medienhäusern ist immer noch die Angst zu spüren, dass digitale und soziale Medien den traditionellen Produkten des Hauses den Rang ablaufen oder sich gar gegenseitig auffressen könnten. Diesbezüglich wird es wirklich Zeit endlich umzudenken! Zugegeben, das ist nicht gerade der neueste Ansatz, aber noch lange kein alter Hut. Die Möglichkeiten neuer Kommunikationsmittel wollen eben nicht nur erkannt, sondern auch in die gesamten Kommunikationskonzepte integriert werden. Früher oder später werden wir uns ohnehin von dem einen oder anderem Ding, dass es immer schon gab, verabschieden müssen. So funktioniert das Leben nun einmal – und zwar nicht nur im Medienbereich.

Neben dem Raubtier-Prinzip ist es allerdings durchaus auch möglich, dass sich unterschiedliche Medien gegenseitig unterstützen. Bleiben wir bei unserem Beispiel: Fernsehen wird anders konsumiert als Twitter. Viele Menschen verfolgen ein Ereignis entweder über das eine oder das andere Medium. Und dann gibt es jene Menschen, die beides parallel nutzen, wodurch interessante Synergieeffekte entstehen.

 

LIVE ist nicht LIVE

Was im TV zu sehen ist, wird umgehend auf Twitter kommentiert. Dabei bedeutet das Wort „live“ in den sozialen Medien üblicherweise etwas anderes als im Fernsehen. Das eine ermöglicht zusätzlich einen lebendigen Dialog und das andere ist die Bild,- und Tonübertragung ohne dass das Publikum direkt innerhalb desselben Mediums reagieren kann – beides passiert aber in Echtzeit, ist also live. Ich vergleiche es gerne mit einer Straße mit Gegenverkehr (Social Media) und einer Einbahnstrasse (TV).

Soziale Medien ermöglichen also den LIVE-Dialog während es etwa bei der TV-Übertragung um eine LIVE-Berichterstattung ohne direkte Zuschauerbeteiligung geht. Genau dieses Manko – also die fehlende Zuschauerinteraktion – kann mit Hilfe der sozialen Medien ausgeglichen werden. Beim Opernball 2016 wurden die Zuseher aufgerufen, unter dem Hashtag #Opernball ihre Bilder in den sozialen Medien hochzuladen um zu zeigen, wie sie diesen Abend verbringen.

Mit solchen Aktionen werden die sozialen Medien als Dialogstraßen des Einbahnmediums Fernsehen genutzt. Wobei wir wieder auf unser allseits beliebtes Schleierkraut zurückkommen.

 

Hashtag #Opernball versus Hashtag #Schleierkraut

Obwohl der Hashtag #Opernball immer wieder im TV promotet wurde, setzten viele Twitter-User zusätzlich auf das Pflanzenthema. Warum war das so? Die Antwort ist aus meiner Sicht genauso schlicht wie das Schleierkraut in seiner Erscheinung.

Der Hashtag #Opernball wurde dem User eher „aufgedrängt“ (was bei solchen Aktionen durchaus seine Berechtigung hat und einem „Call 2 Action“ gleichkommt), während das #Schleierkraut auf emotionaler Ebene punkten konnte, was den beiden Kommentatoren zu verdanken war. Dieses Schleierkraut war einfach ein besonders unterhaltsamer Aspekt der Berichterstattung.

 

Mit geballter Medien-Power zum Twitter-Star

Dieses einfache Beispiel zeigt, dass wir mit der richtigen Strategie aus den kleinsten Dingen, etwas ganz Großes machen können. Und manchmal ist es einfach nur die Gunst der Stunde, die gut genutzt wird anstelle einer lang geplanten Strategie wie es hier der Fall war. Hier noch einmal die drei Komponenten des Schleierkraut-Erfolges:

  1. Ein unterhaltsames Kommentatoren-Duo, welches dem Kraut die nötige Aufmerksamkeit schenkte
  2. Das Medium Fernsehen, welches Ton und Bild in die Wohnzimmer der Zuseher übertrug
  3. Die sozialen Medien, die dem Hashtag #Schleierkraut, den Schneeballeffekt verlieh

So schaffte es dieses unscheinbare Gewächs mit geballter Medien-Power aus seinem eigenen Schatten herauszutreten und Twitter und Co zu rocken, was sich übrigens auch bei der weiteren Medienberichterstattung widerspiegelte.

Und was mit Schleierkraut funktioniert, kann selbstverständlich auch mit anderen Dingen klappen ;-).

 

About Author

Astrid Eishofer

Als diplomierte Social Media Managerin aus Wien berate ich Sie gerne bei Ihren ersten Schritten am Social Media Parkett, unter anderem im Rahmen meiner individuellen Social Media Trainings für KMU, Gründer und Social Media Einsteiger. Sie wollen mehr erfahren? Kontaktieren Sie mich - Ich freue mich auf Sie! Das Kontaktformular finden Sie rechts oben im pinken Balken.

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